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Die Geschichte

Rückblick > Jahr 2017 > Bückeburg
 
Barocktage Bückeburg 2017

Eine Zusammenfassung der historischen und örtlichen Gegebenheiten.
 (verf. v. Marcus Stickdorn).

Wir befinden uns im Jahre 1757. Wie sicherlich jeder weiß, tobt der Siebenjährige Krieg seit einem Jahr und hat mittlerweile auch Deutschland erreicht
 
Bei diesem handelt es sich zweifelsohne um einen der folgenreichsten Kriege der europäischen Neuzeit, der unsere Weltordnung bis heute bestimmt (man spricht Englisch). Es war der erste wirkliche Weltkrieg, der auf allen damals bekannten Kontinenten ausgetragen wurde (d,h. nur Australien und die Antarktis blieben verschont). Auch der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg sowie die Französische Revolution resultieren direkt aus diesem Konflikt. Und mit einem anderen Ausgang wäre die heutige Bundeshauptstadt sicherlich nicht Berlin.

Hauptaustragungsorte an der ‚Westfront‘ waren Hessen und Westfalen. Auch Bückeburg war 1758 und 1759 von den Franzosen besetzt, wurde aber nach dem Sieg bei Minden befreit. Die Bevölkerungsverluste in Westfalen werden auf 10-15% geschätzt. (D.h. die Franzosen sind zur Zeit nicht sonderlich beliebt!)
 
Dies alles ist nun vorbei, man kann aufatmen und sich beglückwünschen alles mehr oder weniger gut überstanden zu haben – während man gleichzeitig ruhig etwas auf die Franzosen schimpfen darf.

Wir befinden uns in Schaumburg-Lippe – seit 1948 Niedersachsen, davor aber Westfälischer Kreis! Die Hauptstadt und gräfliche Residenz ist Bückeburg. Die direkten Nachbarn sind im Westen Preußen (Minden) im Norden und Osten Braunschweig-Lüneburg (Hannover) und im Süden Hessen-Kassel (Rinteln u. Hessisch Oldendorf - dies ein war ein Problem, dazu später mehr).

Im 18. Jahrhundert handelt sich hier um ein klassisches Duodez-Fürstentum – eine souveräne Grafschaft mit gerade einmal 17.000 Einwohnern. Somit also eine der vielen lächerlich unbedeutenden Herrschaften, von denen das Reich damals nur so wimmelte, wenn da nicht sein regierender Graf gewesen wäre - auch dazu im folgenden mehr.
 
Seit 1748 herrscht in Bückeburg Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe. (Eigentlich war er nur der zweitgeborene Sohn, aber sein älterer Bruder Georg hatte es geschafft, sich 1742 bei einem Duell umbringen zu lassen.) Geboren war er 1724 in London, wo er auch seine Jugend verbrachte (er war ein Enkel König Georgs I.). Gestorben ist er dagegen kinderlos und mit gebrochenem Herzen 1777 auf Haus Bergleben bei Wölpinghausen (seine Frau und einzige Tochter waren da bereits tot). Aber dies ist ja noch ein bisschen hin.

Zur Zeit (d.h. 1757) ist als Generalmeister der Artillerie bei den alliierten Truppen. Wilhelm nämlich Später wird er ein in ganz Europa bekannter (und je nach Perspektive auch gefeierter) Kriegsheld sein (in Portugal übrigens bis heute!). Seine Meriten bestehen vor allem in seinem entscheidenden Beitrag zum Sieg bei Minden sowie seiner erfolgreichen Verteidigung Portugals als Oberkommandierender der portugiesisch-britischen Streitkräfte. Auch ist als Verfasser fortschrittlicher militärwissenschaftlicher Abhandlungen berühmt und wird als Lehrer Scharnhorsts die preußischen Militärreformen von 1807 post mortem entscheidend mitbestimmen.
 
 
Hochgebildet (spricht sechs Sprachen fließend) ist er auch als Förderer der Künste bekannt (wer ist das nicht) und beschäftigt zeitweise Johann Christoph Bach als Hofkomponisten und Johann Gottfried Herder als Hofprediger (letzteren erst ab 1771). Natürlich ist er auch Freimaurer.
 
Als Herrscher äußerst fortschrittlich schafft er die Frondienste der Bauern sowie das Prügeln von Soldaten weitgehend ab, gründet diverse Industrien sowie eine Offiziers Akademie (siehe Scharnhorst) und erfindet nebenbei noch das vielleicht erste U-Boot (den Steinhuder Hecht).
 
Als Persönlichkeit ist er dagegen etwas exzentrisch. So wettete er einmal, er würde es schaffen von London nach Newcastle auf dem Pferde rückwärts sitzend zu reiten; und ein anderes mal, dass er als Bettler verkleidet ohne Geld bis nach Dublin reisen könne. Beide Wetten soll er gewonnen haben. Zu seiner Vita gehören auch Duelle – vorzugweise wegen junger hübscher Schauspielerinnen.

Wilhelm ist zudem weit überdurchschnittlich intelligent – und lässt das auch die ganze Welt wissen (viele Freunde hat er nicht).
 
Aber sein liebstes Ding sind Kanonen - weshalb man auch in ganz Europa den ‚Kanonengrafen‘ nennt (was er allerdings gar nicht schätzt!). Er gründet bei Bückeburg die modernste Stückgießerei Deutschlands und exportiert diese auch. Die besten Rohre aber bleiben für seine eigene Artillerie, welche im Ruf steht, die bestausgebildete der Welt zu sein (dies keine Übertreibung).

Insgesamt leistet er sich eine Armee von ca. 1.200 Mann (davon 400 Artilleristen!). Angesichts von nur 17.000 Einwohnern eine haarsträubend hohe Zahl. Der Grund dafür liegt im unangenehmen südlichen Nachbar Hessen-Kassel – dem Todfeind! Der dortige Landgraf ist nämlich der Auffassung, dass Schaumburg-Lippe von Rechts wegen ihm zusteht. Wilhelm leistet sich hier naturgemäß eine andere Meinung.
 
Während des Siebenjährigen Krieges fochten hessische und schaumburg-lippische Truppen Seit an Seit gegen die Franzosen. Wobei Wilhelm aber nie eine Gelegenheit ausließ, ihm unterstellte hessische Offiziere für dieses und jenes unter Arrest stellen zu lassen (er ist eben etwas schwierig im Umgang) weshalb auch niemand wirklich traurig war, als er 1762 aufbrach, um auf Geheiß der britischen Krone Portugal zu retten. 1787 wird es dann aber tatsächlich einen hessischen Angriff geben, der allerdings an preußischer und hannöverscher Intervention scheitert (man hatte den 'Kanonengrafen' in Berlin und London nicht vergessen).
 
Wie man sieht, sind auch die Hessen nicht sonderlich beliebt in Bückeburg.

Der Krieg hat also Schaumburg-Lippe erreicht. Die alliierte Armee im Britischen Dienst hat bei Hastenbeck eine empfindliche Niederlage erlitten und sich bis hinter Bremen zurückgezogen. Französische leichte Truppen - größten Teils deutsche Söldner - marodieren durch ganz Norddeutschland.
 
Für Bückeburg heißt das nun: die Franzosen kommen!

Die örtliche Bevölkerung - inklusive des Landadels und Herrschaften auf der Durchreise -  hat sich im Schloss einquartiert, in der Hoffnung, Schutz vor den Franzosen zu finden - eine Hoffnung die enttäuscht werden wird. Die Franzosen werden das Schloss selbstverständlich besetzen und sich - wie es ihre Natur ist - ordentlich daneben benehmen.

Marcus Stickdorn
alias
Johann Heinrich-Krückeberg, capitaine-lieutenant vom Schaumburg=Lippischen Artillerie=corps     
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